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Einst verstanden sich die Wahrheit und die Lüge

… woher die Wahrheit kommt? „Die Wahrheit kommt aus dem Brunnen“, 1896 I Jean-Léon Gérôm

In den späten 1890er-Jahren schuf der französische Historienmaler und Bildhauer Jean-Léon Gérôme eine Reihe von Werken, die auf allegorische Weise die Wahrheit durch die symbolische Darstellung einer nackten Frau veranschaulichten. Diese Gemälde präsentieren die Frau entweder in einem Brunnen gefangen, am Boden eines Brunnens ruhend oder aus einem Brunnen aufsteigend.

Das Gemälde „Die Wahrheit kommt aus dem Brunnen“ sticht besonders hervor.

Dieses Gemälde greift die Überlegungen des Philosophen Demokrit auf:

„Die Wahrheit wissen wir nicht, denn die Wahrheit ruht tief im Brunnen“ 

(wörtlich übersetzt:

„In Wahrheit wissen wir nichts, denn die Wahrheit liegt in unerreichbarer Tiefe“).

„Im Brunnen die Wahrheit?“ Eine Legende über Begegnungen

In diesen Kontext fügt sich außerdem eine Legende aus dem 19. Jahrhundert ein, die Gérôme’s symbolische Darstellung der Wahrheit ebenfalls erklären könnte.

Es geht um die Dynamik zwischen Authentizität und Täuschung, um ein Treffen von Wahrheit und Lüge.

Es heißt, einst begegneten sich die Wahrheit und die Lüge. 

Die Lüge habe mit überzeugender Stimme verkündet: „Heute ist ein wunderbarer Tag!“

Die Wahrheit zum Himmel blickend und seufzend angesichts des wirklich schönen Tages, stimmte zu.

Alsdann verbrachten die ungewöhnlichen Gefährten viel Zeit miteinander, bis sie schließlich einen Brunnen erreichten.

Dort sprach die Lüge zur Wahrheit: „Das Wasser hier ist herrlich – lass uns gemeinsam baden!“ Obwohl von Skepsis begleitet, prüfte die Wahrheit das Wasser, pflichtete der Lüge aber bei. So entledigten sich beide ihrer Kleidung und genossen das Bad.

Plötzlich entsprang die Lüge dem Wasser, hüllte sich in die Gewänder der Wahrheit und entfloh.

Von Entschlossenheit angetrieben, die Lüge zu entlarven und ihre Kleidung zurückzuerlangen, stieg die wütende Wahrheit ebenfalls aus dem Brunnen. Um die Lüge zu finden, rannte sie überallhin, aber ihre Anstrengungen blieben vergeblich.

Doch die Welt, die die Wahrheit nun nackt sah, wandte sich von ihr ab – erfüllt von Missachtung und Zorn.

In ihrer Verzweiflung kehrte die Wahrheit sich schämend in den Brunnen zurück, verbarg und versteckte sich.

Seither durchstreift die Lüge – in den Gewändern der Wahrheit – die Welt und erfüllt die Erwartungen und Bedürfnisse der Gesellschaft.

Denn die Gesellschaft möchte der ungeschminkten Wahrheit nicht ins Auge blicken oder ihr begegnen.

Ungewöhnliche Begegnung mit gewöhnlicher Überlegung

Dem Grunde nach ermutigt uns die Legende dazu, darüber nachzudenken, warum wir manchmal der Wahrheit ausweichen, auch wenn sie sich in den Verkleidungen der Täuschung zeigt. 

Ähnlich wie in der Legende, in der die Lüge die Kleidung der Wahrheit trägt, neigen wir dazu, uns vor der klaren Wahrheit zu verstecken, wenn sie in subtilerem Gewand daherkommt. 

Und tatsächlich sind wir, in Anlehnung an die Legende eingeladen, unsere Beweggründe zu hinterfragen – ob es die Angst vor Konsequenzen oder der Wunsch nach Bequemlichkeit ist. 

In einer Welt voller Grauzonen gilt es, genauer hinzusehen und die tieferen Bedeutungen zu erkennen, die sich hinter den Fassaden verbergen.

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